Professionelle Produktbilder erstellen: zuhause und/oder mit Handy

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Ihre Produktfotos sind meistens der erste Anknüpfungspunkt eines Kunden mit Ihrem Unternehmen. Produktbilder erstellen zu lassen (oder sie selbst zu produzieren), ist deshalb für jedes produktbasierte Business ein wichtiges Thema.

Je nach Stadium, in dem sich Ihr Business befindet, kann es einfacher oder schwieriger sein, einen Profi damit zu beauftragen. Wenn Sie also gerne Ihr Wissen zum Thema Produktfotografie vertiefen wollen, um Produktfotos selber machen oder die von Dienstleistern angebotenen Services und die Bildqualität besser beurteilen zu können, sind Sie hier an der richtigen Stelle!

In diesem Artikel geben unsere Kreativexpertinnen Julie Halloran und Jessica Gabeler Ihnen Produktfotos-Tipps, mit denen auch zuhause professionelle Fotos gelingen. Und wenn Sie sich fragen sollten, ob Produktfotos mit Handy machbar sind, finden Sie nachfolgend die Antwort. (Spoiler: Ja!)

Produktfotografie selber machen, die Grundausstattung:

  • Eine Kamera oder ein Smartphone mit Kamerafunktion
  • Eine natürliche Lichtquelle (klares Tageslicht ist oft ausreichend)
  • Ein stabiler, ausreichend breiter Tisch
  • Ein Stück weißer Pappe als Untergrund
  • Klemmen zur Befestigung der Pappe

1. Produktfotografie-Tipps, Teil 1: Beleuchtung

“Wenn es genug davon gibt, verleiht natürliches Licht Ihren Produkten eine gleichmäßige und dreidimensionale Qualität. Es lohnt sich, zu Hause mit natürlichem Licht zu experimentieren, bevor man Geld für ein Beleuchtungskit ausgibt. Die Ergebnisse sind oft umwerfend gut.”

Jessica Gabeler – Produktfotografin, VistaPrint

Bevor Sie Ihre Produktbilder erstellen: Finden Sie ein geeignetes Fenster

Finden Sie eine gute Quelle von Tageslicht, zu der Sie einfachen Zugang haben und an dem Sie sicher und entspannt fotografieren können.

Experimentieren Sie dort mit verschiedenen Setups wie z. B. auf einem Tisch oder Stuhl. Wenn Sie einen Ort finden, mit dem Sie zufrieden sind, machen Sie Ihre ersten Fotos, bis Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind. Es klappt? Wunderbar!

Stellen Sie nun sicher, dass Sie die Positionierung der Fotounterlage markieren (oder sich gut merken). Ihre Produktfotografie ist Teil Ihres Branding, und das verlangt nach Einheitlichkeit. Wenn Sie also bei der nächsten Fotosession wissen, wie Sie zuletzt Ihre Fotos gemacht haben, sparen Sie viel Zeit und erstellen automatisch Bilder, zu dem vorangegangenen Set von Produktaufnahmen passen.

Und auch das Fotografieren zur gleichen Zeit wie beim letzten Mal verbessert Ihre Chancen, eine ähnliche Lichtqualität zu bekommen. Aber da einige Tage bewölkter sind als andere, ist eine sogenannte Beleuchtungsmesser-App ein praktisches und kostengünstiges Werkzeug, mit dem Sie die Lichteinstrahlung messen können.

Notieren Sie sich alle Parameter zum Licht, bei denen Ihre besten Produktfotos gelingen.

Wenn Sie natürliches Licht in Innenräumen verwenden, schalten Sie die künstliche Beleuchtung aus

Kunstlicht beeinträchtigt den sogenannten Weißabgleich Ihrer Fotos. Verschiedene Lichtquellen strahlen unterschiedliche Lichtfarben aus, lassen Ihre Aufnahmen gelblich oder blaustichig erscheinen. Denken Sie also daran, künstliche Beleuchtung wie Stehlampen und Deckenbeleuchtung immer auszuschalten, wenn Sie mit dem Tageslicht arbeiten.

Beleuchtungsrichtungen verstehen

  • Bei der Frontbeleuchtung trifft indirektes Tageslicht direkt auf ein Produkt.
  • Hintergrundbeleuchtung bedeutet, dass es Ihr Produkt von hinten trifft.
  • Seitlich beleuchtet wird, wenn das Licht auf eine der Seiten des Produkts trifft.

Verwenden Sie einen Reflektor

Wenn Ihre Einstellung doch einen kleinen Lichtschub extra benötigt, ist die kostengünstigste Option, eine weiße Schaumstoffplatte direkt gegenüber der Lichtquelle anzubringen, um Ihre Beleuchtung auszugleichen. Dieser sogenannte Reflektor wirft das Licht zurück auf Ihr Motiv und hellt die Winkel Ihres Produkts auf, die Ihre natürliche Lichtquelle nicht erreichen kann.

2. Produktfotografie-Tipps, Teil 2: Wenden Sie Kompositionstechniken an, um Ihr Produkt hervorzuheben

“Effektive Produktfotografie zieht die Blicke der Menschen auf den Bereich des Fotos, auf den sie sich konzentrieren sollen.”

Jessica Gabeler – Produktfotografin, VistaPrint

Machen Sie es interessant mit Texturen

Welche interessanten Texturen haben Sie bei sich zu Hause oder im Garten?

Sie benötigen keine makellose Marmor-Arbeitsplatte in der Küche, um Ihre Produktfotos mit einer eleganten Steinstruktur zu gestalten. Schon eine einzige Marmorfliese, die Sie auf Ihrem Esstisch platzieren, kann genügen, um eine natürliche Kulisse für Ihre Produktaufnahmen zu schaffen. Ersatz-Badezimmerfliesen, verschiedene Holzbretter, strukturierte Stoffe und Papiere lassen sich hervorragend als Texturgeber in den Hintergrund Ihrer Produktbilder integrieren.

Gerade kleinere Artikel wie Schmuck, Kosmetika, Dekoobjekte, Modeaccessoires usw. lassen sich auf diese Weise interessant in Szene setzen.

Verwenden Sie Requisiten, um das Größenverhältnis zu vermitteln

Haben Sie sich jemals gefragt, warum so viele Produktaufnahmen eine Tasse Kaffee zeigen?

Die Verwendung von Requisiten wie einer Tasse, einem Stift, einer Münze usw. in Ihrer Komposition hilft den Menschen, die Größe Ihres Produkts zu erfassen. Und das hilt nicht nur bei kleinen Produkten. Wenn Sie neispielsweise Zubehör für Autos oder Boote verkaufen, zeigen Sie diese Produkte ebenfalls an Ort und Stelle, um den Menschen einen Eindruck von ihrer Größe zu vermitteln.

Finden Sie die optimale Aufnahmeart für Ihre Produkte

Haben Sie schon einmal Ihr Auto online verkauft? Dann kennen Sie sicher die bei meisten Anbietern vorausgefüllte Bildergalerie, die Ihnen noch vor dem Upload Ihrer Bilder signalisiert: hier kommt eine Aufnahme von vorn, hier von der Seite, hier ein Detail von Innen, hier die Aufnahme der Reifen usw.

Nicht viel anders sollten Sie vorgehen, wenn Sie Produktfotos für Ihren Onlineshop selber machen: die Aufnahmen sollten das Produkt so zeigen, dass bei Ihren künftigen Kunden keine Fragen offen bleiben, also von allen Seiten.

Doch auch atmosphärische Produkbilder sind wichtig. Hier hat sich vor allem die sogenannte “Flat-Lay Photography” bewährt. Dabei schießen Sie das Bild von oben/aus der Vogelperspektive heraus und zeigen Ihre Produkte in einer natürlich wirkenden Umgebung mit einigen Requisiten.

Wenn Sie z.B. selbstgemachte Kekse verkaufen, zeigen Sie sie auf einem Tisch neben einem Buch und einer Tasse Kaffee, um zu veranschaulichen, wie die Leute sie genießen können. Es geht darum, die Stimmung der Umgebung einzufangen, in der die Menschen mit Ihren Produkten interagieren.

Eines der hilfreichsten Werkzeuge, um mit dieser Methode hochwertige Produktbilder erstellen zu können, ist ein Stativ. Wenn Sie den Selbstauslöser Ihrer Kamera oder Ihres Telefons auf einem Stativ verwenden, werden auch die Schatten Ihres Körpers in Ihren Bildern vermieden.

Legen Sie den Fokus auf Ihr Produkt

Heutzutage können viele Handys ein scharfes Bild im Vordergrund und einen weicheren Hintergrund erreichen, wenn sie auf Porträtmodus eingestellt sind. Wenn Sie Ihre Smartphone-Kamera verwenden, lassen Sie etwas Abstand zwischen Ihrem Produkt und dem Hintergrund. Dies erleichtert es Ihnen, sich auf Ihr Produkt zu konzentrieren und es in den Vordergrund zu stellen und den verträumten, verschwommenen Hintergrund zu erreichen, der bei Instagram so beliebt ist.

Wenn Sie eine digitale Spiegelreflexkamera verwenden und den manuellen Modus beherrschen, können niedrigere Blendeneinstellungen Ihnen helfen, den Vordergrund scharf und den Hintergrund weich hinzubekommen. Achten Sie nur darauf, dass genügend Abstand zwischen dem Objekt und der Umgebung besteht. Eine weite Blendeneinstellung im unteren Bereich wie 1,2 oder 1,4 plus Heranzoomen an das Objekt sollte gute Ergebnisse bringen, aber Sie können selbst mit verschiedenen Einstellungen experimentieren.

Nutzen Sie die „Drittel-Regel“

Wie der Name schon sagt, ist die Drittel-Regel ein Kompositionsprinzip, das ein Bild in Drittel zerlegt. Zwei vertikale und zwei horizontale Linien teilen den Rahmen in neun gleiche Teile.

Wenn Sie Ihre Produktaufnahmen konzipieren, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Welche Punkte sind interessant (z.B. ein bestimmtes Produktmerkmal oder Detail)?
  • Wo platziere ich diese interessanten Punkte absichtlich in Bezug auf die Linienschnitte?

Visualisieren Sie Ihre Fotos am “Zielort”

Erstellen Sie Ihre Produktbilder mit all deren Einsatzbereichen im Hinterkopf: z.B. Onlineshop, Instagram, E-Mail-Newsletter. Stellen Sie sicher, bei einem Fotoshooting all diese Bereiche abzudecken.

„Versuchen Sie nicht, alles auf einmal zu erreichen. Und denken Sie daran, Ihre Produkte zu drehen und eine bestimmte Funktion oder Textur zu vergrößern. Wenn etwas glänzt oder matt ist, versuchen Sie, das auf dem Foto zu zeigen. Die Präsentation Ihrer Produkte aus verschiedenen Blickwinkeln gibt den Menschen eine bessere Vorstellung davon, wie sie sich anfühlen. Veröffentlichen Sie mehrere Bilder im Karussell-Bereich auf Facebook oder Instagram oder eine Fotogalerie auf Ihrer Website.“

Julie Halloran – Global Executive Creative Director, VistaPrint

3. Produktfotos-Tipps, Teil 3: Denken Sie an richtige Fotoformate

Bevor Sie Ihre Produktfotos in professioneller Qualität mit der Welt teilen, müssen Sie wissen, wo sie veröffentlicht werden sollen.

Unterschiedliche Social Media haben unterschiedliche Formate, die sich zudem mit jedem wichtigen Update gerne mal ändern können (so war Instagram mal für quadratische Fotos bekannt). Die meisten Websites bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihre Fotos in den gewünschten Formaten zu bearbeiten, z.B. durch Zuschneiden. Der beste Weg, zusätzliche Bearbeitungsarbeiten zu vermeiden, ist, das Endformat Ihrer Bilder zu verstehen und Ihre Aufnahme unter Berücksichtigung dieser Dimensionen zu konzipieren, bevor Sie das Foto aufnehmen.

Speichern Sie Ihre Dateien in der größtmöglichen Größe ab

Wenn Sie eine Digitalkamera verwenden, stellen Sie sicher, dass Sie das RAW-Format verwenden. Auch wenn Sie Ihre Produktfotos mit Handy/Smartphone erstellen, gibt es da Apps, die RAW unterstützen, wie z.B. ProCam für iPhone. Das RAW-Format enthält die meisten Informationen über Ihr Bild und bietet die größte Flexibilität, wenn Sie Ihre Bilder später bearbeiten möchten.

Sie können zwar theoretisch auch Fotos mit einer niedrigeren Auflösung als JPGs erstellen, um den Einschränkungen von Dateien oder Plattformen gerecht zu werden, aber es ist nicht möglich, die ursprüngliche Bildauflösung bei gleichbleibender hoher Bildqualität zu erhöhen.

Für das Hochladen auf andere Plattformen ist es aber gut, Ihre bearbeiteten Fotos im JPG-Format abzuspeichern, da dies das gängigste Format für die digitale Veröffentlichung von Fotos ist.

Verwenden Sie keine Fotos aus dem Internet für Ihre Printprodukte

Wenn Sie ein Foto auf Facebook hochgeladen haben und dieses Foto später in ein Buch drucken möchten, laden Sie das Bild nicht aus Ihrer Facebook-Galerie herunter. Wenn Sie Bilder ins Internet hochladen, werden sie von den meisten Plattformen komprimiert, so dass die Webseite schneller geladen werden kann.

Verwenden Sie zum Druck bitte immer das hochwertige Originalbild, das Sie mit Ihrem Handy oder Ihrer Kamera aufgenommen haben. Dadurch werden beim Drucken körnige oder verpixelte Bilder vermieden.

Unser VistaPrint-Designstudio beispiesweise warnt Sie immer, wenn die Bildqualität beim Gestalten Ihrer Printartikel zu niedrig ist. Diese Warnung erhalten Sie aber nicht immer und nicht überall.

Lassen Sie uns wissen, wie Sie vorankommen! Teilen Sie Ihre Vorher- und Nachher-Produktfotos gerne mit uns auf Instagram.