Ab einem gewissen Punkt bei der Gestaltung Ihres Markenlooks, spätestens, wenn Sie einen Brand-Kit kreieren, stellt sich die Gretchenfrage zu den kleinen Buchstabenfüßchen – mit oder ohne Serifen? Dieser Ratgeber soll Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen und erklärt die Unterschiede zwischen Serifenschriften (auch serifenbetont genannt) und Sans-Serif-Schriften (auch serifenlos genannt) anhand von Beispielen. Außerdem fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse für Sie zusammen und stellen Ihnen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Verfügung. Wir hoffen, dass Sie nach dem Lesen dieses Beitrags eine bessere Vorstellung davon haben, welche Stile Ihre Marke am besten ergänzen, wofür sie sich jeweils eignen und wie man sie kombiniert, ohne eine typografische Identitätskrise auszulösen.
- Serifenbetonte Schriften wirken klassisch, glaubwürdig und sind auf Magazinseiten zuhause; serifenlose Schriften erzeugen einen modernen, schlichten und zugänglichen Eindruck.
- Der Kontext ist wichtig: Print vs. digital, Langform vs. Nutzeroberflächen (UI), Luxus- vs. Underdog-Marke und so weiter.
- Es gibt keine generelle „beste“ Schriftart, nur Schriften, die Ihre Markenpersönlichkeit am besten widerspiegeln und Ihr Publikum eher ansprechen.
- Die Lesbarkeit hängt am Ende mehr von Größe, Abständen, Kontrast und Umsetzung ab als von der Wahl einer Schriftart mit oder ohne Serifen.
- Eine Mischung beider Stile kann eine starke Designwirkung erzeugen – solange es eine klare Rangordnung und ein Limit für die Anzahl der Schriftarten gibt.
Was sind Serifen- und Sans-Serif-Schriftarten und wie sind sie entstanden?
Bei Serifen handelt es sich um kurze, häkchenartige Linien am Ende und Anfang der Schäfte und Bögen von Buchstaben und Schriftzeichen. Sie helfen, das Auge leichter von einem Buchstaben zum nächsten zu leiten. Bei serifenlosen Schriften fehlen diese Häkchen – das „Sans“ in „Sans-Serif“ stammt aus dem Französischen und bedeutet „ohne“. Der Gesamteindruck dieser Schriftarten ist rationaler und schlanker. Die ersten serifenbetonten Schriften tauchten auf griechischen Steintafeln auf, fanden weitere Verbreitung in der Römerzeit und entwickelten sich schließlich parallel mit dem Buchdruck über die letzten Jahrhunderte zu den heute bekannten Formen weiter. Im Vergleich dazu ist das Konzept der serifenlosen Schrift noch sehr jung: Sie wurde im frühen 19. Jahrhundert im England der Industrialisierung als neue, auffällige Schrift für Werbeanzeigen eingeführt und erlangte im 20. Jahrhundert als einfache, zweckmäßige Schriftfamilie zunehmend Bedeutung. Serifenlose Schriften sind auch unter dem Namen „Groteske“ bekannt, ein Hinweis auf die historische Furore, die diese „entstellten“ Schriften zunächst auslösten. Auch heute noch wirken die Entstehungsgeschichte und der historische Kontext der jeweiligen Schrift nach – das Publikum bildet sich bereits eine Meinung von Ihrer Marke, ohne überhaupt nur ein einziges Wort gelesen zu haben.

Quelle: Infografik von Cindy Vanessa Rubio; Behance
Eigenschaften und psychologischer Effekt: Serifen- vs. Sans-Serif-Schrift
Die Markenwahrnehmung ist nicht willkürlich, sondern wird unter anderem von der Persönlichkeit der Schriftart selbst und der Verarbeitungsflüssigkeit (hier: der Leichtigkeit, mit der etwas gelesen, verarbeitet und verstanden werden kann) beeinflusst. In Studien zu Typografie und Marketingpsychologie zeigte sich wiederholt, dass Menschen bestimmte Schriftarten mit bestimmten Eigenschaften verbinden, darunter Wärme, Kompetenz, Aufrichtigkeit, Aufregung und Raffinesse.
Serifenbetonten Schriften werden eher die Stichworte „Tradition“ und „Autorität“ zugeordnet, serifenlose Schriften erhalten höhere Punktzahlen für „Modernität“ und „Klarheit“. Wenn ein Text einfach zu verarbeiten ist (durch Abstände, Zeilenlänge, Kontrast), dann neigt die Leserschaft dazu, den Inhalt und die Marke positiver zu bewerten. Daher sollten Sie einen Schriftstil wählen, der die für Ihre Marke gewünschte Persönlichkeit unterstreicht, und dann dafür sorgen, dass hervorragende Lesbarkeit bei der Umsetzung an erster Stelle steht.
Die besten Schriftarten für Branding und Ihre Markenidentität
Lassen Sie sich bei der Wahl der richtigen Schriftart für Ihr Branding nicht nur von Social-Media-Trends beeinflussen – die nonverbale Botschaft Ihrer Markenschrift muss zu Ihrer Markenidentität passen. Betrachten Sie die Mission, Werte, Zielgruppen und den Kontext, in dem Ihre Marke agiert, und wählen Sie den Stil aus, der diese Identitätsaspekte kommuniziert, bevor Worte oder Texte überhaupt ins Spiel kommen.
Serifenbetonte Schriftarten
Eine Schrift mit Serifen bietet sich für Marken mit (kunst-)handwerklicher, autoritativer oder editorischer Richtung an. Dazu gehören beispielsweise Boutique-Hotels, Anwaltskanzleien, Anlageberatungsfirmen, unabhängige Kaffeeröstereien oder Marken, deren Gründer oder Gründerin aktiv Storytelling als Marketingwerkzeug einsetzt. Ein Logo mit Serifenschrift kann einem jungen Unternehmen einen etablierten und geschmackvollen Anstrich verleihen – unverzichtbar, wenn es bei Ihrem Produkt um Vertrauen, Expertise oder handwerkliche Kunstfertigkeit geht.
Beispiele beliebter Serifenschriften und wie sie wirken
Die Gruppe französische Renaissance-Antiqua (wie Garamond) verkörpert Wärme und Tradition. Die Schriftenfamilie der Barock-Antiqua (wie Baskerville) bietet Eleganz und hohen Strichkontrast. Die klassizistische Antiqua (wie Didot oder Bodoni) wirkt luxuriös und modebewusst, während die serifenbetonte Linear-Antiqua (wie Claredon) mit freundlichem, bodenständigem Flair gleichzeitig als altehrwürdig und plakativ wahrgenommen wird.
Einsatzzwecke im Branding
Serifenbetonte Schriftarten machen sich besonders gut als Logos und Titelzeilen auf Verpackungen, Speisekarten oder Websites mit Magazincharakter. Sie bieten einen Augenschmaus mit hervorragender Lesbarkeit für Langforminhalte wie Blogbeiträge oder gedruckte Broschüren, wenn Sie Schriftgröße, Abstände und Zeilenlängen entsprechend anpassen.

Serifenlose Schriftarten
Sans-Serif-Schriften werden meist von Marken gewählt, die als modern, unbeschwert und effizient wahrgenommen werden möchten. Sie werden daher besonders oft von Brands für Endverbraucher, Fintech-Apps und Unternehmen, bei denen das Produkt allein im Fokus steht, gewählt. Ein Sans-Serif-Logo ist auch in kleiner Ausführung les- und erkennbar, lässt sich gut skalieren und ergänzt Icons und andere UI-Komponenten hervorragend.
Beispiele beliebter serifenloser Schriften und wie sie wirken
Statische Groteskschriften (wie Helvetica, Akzidenz) erzeugen ein geradliniges, neutrales Flair. Dynamische Groteskschriften (wie Gill Sans, Frutiger, Calibri) verkörpern Wärme und Bewegung. Geometrische Groteskschriften (wie Futura, Avenir, Poppins) wirken präzise und modern. Amerikanische Groteskschriften (wie Inter, Roboto) sind für Bildschirme und Nutzeroberflächen optimiert. Die verschiedenen Gruppen serifenloser Schriften erlauben Ihnen somit, den Gesamteindruck – von freundlich bis elegant – festzulegen.
Einsatzzwecke im Branding
Sans-Serif-Schriften glänzen im digitalen Bereich: Websites, Apps, E-Mails, Produktschnittstellen und Anzeigen, bei denen kleine Größen und eine schnelle Wahrnehmung wichtig sind. Start-ups, denen es um Klarheit und Skalierbarkeit geht, können ihre Designs mithilfe serifenloser Schriften über die verschiedenen Kanäle hinweg vereinfachen.

Designkontext und Abwägungen zur Serifenfrage
Die von Ihnen gewählte Schriftart existiert nicht in einem Vakuum. Sie muss sich über verschiedene Kanäle hinweg und in unterschiedlichen Größen und Situationen behaupten, während sie gleichzeitig Ihrer Markensprache folgt und sich als praktisch sowie lesbar präsentiert.
Die Wahl der passenden Schriftart
Betrachten Sie zunächst Ihre Markenpersönlichkeit. Soll Ihre Marke als vertrauensvoller Berater, disruptive Erfinderin oder bodenständiger Nachbar wahrgenommen werden? Denken Sie dann über Ihre wichtigsten Marketingkanäle nach: eher digital, doch lieber Print oder beides? Wo werden Ihre Schriften am meisten angezeigt – Benutzeroberfläche Ihres Produktes, Blog, Verpackungen, Pitch Decks, Werbetechnik – und auf welche Art betrachtet Ihr Publikum sie? Und schließlich: Wieviel Designerfahrung hat Ihr Team? Wenn Sie nur wenige Ressourcen fürs Design abzweigen können, dann kann Ihnen ein einfaches, gut dokumentiertes Typografiesystem (mit Schriften, Größen, Abständen) viel Zeit sparen.
Die Balance von Tradition und Moderne
Die Kombination einfacher Schriftarten, wie einer wagemutigen Serifenschrift für die Überschriften und einer klaren Sans-Serif-Schrift für den Fließtext, ist eine verbreitete Strategie. So können Sie leicht einen sichtbaren Kontrast erzeugen – ohne Chaos. Dieser Mix wirkt authentisch, wenn Ihre Marke Tradition und Innovation vereint. Widerstehen Sie allerdings der Versuchung, zu viele verschiedene Schriftarten zu kombinieren und beschränken Sie sich auf zwei oder drei. Das wirkt professioneller und erleichtert Ihrer Kundschaft die Informationsaufnahme.
Der jeweilige Verwendungszweck
Der Einsatzort Ihrer Schrift beeinflusst, wie sie wahrgenommen wird. Dieselbe Schriftart kann auf einem gedruckten Etikett elegant und in einer Handy-App klinisch wirken (oder umgekehrt), abhängig von Größe, Abständen und Kontrast.

Printmedien
Auf Papier gedruckt erzeugen serifenbetonte Schriften Wärme mit Magazinflair und ein strukturiert-rhythmisches Schriftbild. Sie machen sich hervorragend auf Verpackungen mit fühlbaren Finishes, Visitenkarten aus starken Papiersorten oder hochwertigen Broschüren. Serifenschriften mit hohem Strichkontrast sind perfekt für Überschriften, können allerdings in kleinerer Größe im Fließtext optisch verschwimmen und die Lesbarkeit beeinträchtigen. Lassen Sie also zunächst einen Proof drucken, um dieses Problem rechtzeitig abzufangen. Für Schilder und Kleingedrucktes bietet sich eher eine stämmige serifenbetonte Linear-Antiqua (auch serifenverstärkt oder Egyptienne genannt) oder eine serifenlose Schrift an, um die nötigen Strichstärken für das Lesen aus der Ferne zu erreichen.
Digitale Medien
Für Bildschirme sind serifenlose Schriften die logische Wahl, da sie klarer erscheinen, was besonders für Benutzeroberflächen und kleine Größen wichtig ist. Allerdings gibt es inzwischen auch Serifenschriften, die für Bildschirme optimiert sind und sich daher für augenfällige Überschriften oder, auf Geräten mit hoher Auflösung, sogar für den Fließtext eignen. Die wichtigen Variablen hier sind Größe, Zeilenhöhe und Farb- sowie Strichkontrast. Wenn Sie diese mit Bedacht wählen, dann geht es bei der Serifenfrage weniger um Lesbarkeit und mehr um die Ausdrucksweise Ihrer Marke.
Serifenlos oder serifenbetont: Fallstudien
Auch, wenn Sie vielleicht nicht in der gleichen Liga wie die ganz Großen mitspielen, lohnt es sich doch, einen genauen Blick auf die Designstrategien weltbekannter Vorzeigeexemplare zu werfen, um sich das eine oder andere für das eigene Kleinunternehmen herunterskaliert abzuschauen.
New York Times (serifenbetont)
Das ikonische Impressum und die editorische Typografie der New York Times (NYT) verlassen sich sehr auf klassische Serifenschriften. Die Tageszeitung verkörpert Autorität, investigativen Journalismus und Tradition – genau wie serifenbetonte Schriften. Das Typografiesystem der NYT sorgt dafür, dass die hohe Informationsdichte als organisiert und seriös wahrgenommen wird und damit das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit des Unternehmens stärkt.
Für Kleinunternehmen bedeutet das aber natürlich nicht, einfach die Times zu kopieren. Sondern eher: Wenn Ihre Marke langjährige Expertise ausstrahlen soll, dann kann eine mit Bedacht gewählte Serifenschrift schon viel für dieses Ziel tun, noch bevor überhaupt das erste Wort gelesen wurde. Gerade Anwaltskanzleien, Vermögensberatungen, traditionsreiche Lebensmittelhersteller oder Boutique-Verlagshäuser sollten sich hier angesprochen fühlen.
Quelle: New-York-Times-Grafik von Jun Hong; Behance
Google (serifenlos)
Die Marke Google setzt auf Einfachheit, Geschwindigkeit und Zugänglichkeit. Die Nutzeroberflächen der Produkte bedienen sich schneidiger Sans-Serif-Schriften, die für Bildschirme und Lesbarkeit in jeder Größe entwickelt wurden. Die Wahl serifenloser Typografie verstärkt Googles Versprechen auf Klarheit und Alltagstauglichkeit.
Die Erkenntnis: Wenn Ihre Marke hauptsächlich im Netz zuhause ist, intuitive Produkte herstellt oder von Offenheit und Skalierbarkeit abhängig ist, dann unterstützt ein Sans-Serif-System das jeweilige Bestreben fast reibungslos über Websites, Apps und Anzeigen hinweg.
Quelle: Google-Grafik von Entropico; Behance
Wann sollten Sie serifenlose oder serifenbetonte Schriften einsetzen?
Das gleich vorweg: Es gibt hier keinen universellen Sieger. Sie müssen „ganz einfach“ den Schriftstil wählen, der Ihre Markenbotschaft dort optimal unterstreicht, wo Ihr Publikum am meisten mit ihr interagiert.
Vom Medium abhängig
Für Websites, Apps und E-Mails sind serifenlose Schriften meist der Standard für Benutzeroberflächen, Navigation und kleine Label. Sie lassen sich einfach skalieren, werden meist problemlos geladen und wirken schlicht. Serifenbetonte Schriften sind deswegen aber nicht Tabu. Für Überschriften auf Landingpages oder Langformartikel kann eine klassizistische Antiqua oder eine Barock-Antiqua genau das richtige Maß an Raffinesse beisteuern und so einen höherwertigen Eindruck erzeugen.
Bei Drucksachen sorgen serifenbetonte Schriften für das klassische Leseerlebnis, beispielsweise für Broschüren und magazinartig gestaltete Layouts, während serifenlose Schriften eher auf Schildern oder bei kurzen Texten, bei denen es auf schnelles Erfassen ankommt, punkten.
Von Publikum und Demografie abhängig
Bedenken Sie auch die Erwartungen Ihres Publikums: Wer Luxusprodukte kauft, erwartet elegante Serifenschriften; eine technikbegeisterte Zielgruppe bevorzugt wahrscheinlich eher Brands mit minimalistischen, serifenlosen Schriften. Im Bereich Familie und Bildung kommen freundliche, dynamische Groteskschriften gut an; B2B-Käufer trauen eher einer zurückhaltenden Serifenschrift oder einer nüchternen Sans-Serif-Schrift.
Wenn Sie global präsent sind, beachten Sie, wie Ihre gewählte Schriftart mit Sonderzeichen und Akzenten umgeht. Man verliert schnell an Glaubwürdigkeit, wenn plötzlich auffällig unpassende Ersatzschriften statt der Hausschriften angezeigt werden.
Von der Lesbarkeit abhängig
Die Lesbarkeit eines Textes hat viel mit der Umsetzung zu tun. Wenn Ihre Marke eine besonders kleine Schriftgröße nutzt, dann sorgt eine für Bildschirme optimierte Sans-Serif-Schrift für Klarheit. Gedruckte Fließtexte mit angemessener Schriftgröße lassen sich in den meisten Serifenschriften problemlos lesen. Hoher Strichkontrast, übertriebene Unterschneidung und zu lange Textzeilen lassen beide Schriftstile leiden. Testen Sie daher immer auf den relevanten Geräten oder drucken Sie ein Probeexemplar. Überprüfen Sie die Strichkontraste und wie Ihre Schriften von Windows bzw. macOS sowie iOS bzw. Android gerendert werden. Ihre Kundschaft nutzt alle diese Operationssysteme und es gibt tatsächlich Unterschiede.

Beide Stile kombinieren: Richtig und falsch
- Richtig: Schaffen Sie eine klare Hierarchie – jeweils eine Schriftart für Überschriften sowie Fließtext und zwei Schriftstärken pro Schriftart, damit es unkompliziert bleibt.
- Richtig: Wählen Sie Schriften aus kontrastierenden Kategorien (beispielsweise eine feine Serifenschrift mit einer dynamischen Groteske), damit jede direkt mit einer festgelegten Rolle verknüpft wird.
- Richtig: Stellen Sie eine Dokumentation mit Schriftgrößen, Zeilenhöhen und Abständen zusammen, damit Ihr gesamtes Team Ihre Schriften konsistent einsetzt.
- Falsch: Vermeiden Sie, ähnliche serifenbetonte oder fast identische serifenlose Schriften zu kombinieren. Das fällt negativ ins Auge und sieht unordentlich aus.
- Falsch: Falls Ihnen kein erfahrener Designprofi zur Seite steht, sollten Sie darauf verzichten, im Kern mehr als zwei Schriftarten für Ihr Typografiesystem einzusetzen.
Wir empfehlen folgende Kombinationen:
Playfair Display (serifenbetont) + Source Sans 3 (serifenlos)
Freight Text (serifenbetont) + Inter (serifenlos)
EB Garamond (serifenbetont) + Avenir Next (serifenlos)
Sentinel (serifenverstärkt) + Roboto (serifenlos)
Anleitung für die Wahl einer serifenlosen oder serifenbetonten Schriftart
1. Markenpersönlichkeit definieren
Legen Sie drei bis fünf Eigenschaften für Ihre Marke fest – modern, sachkundig, warm etc. – und überlegen Sie, ob diese eher durch das Vorhandensein oder Fehlen von Serifen ausgedrückt werden. Als Daumenregel gilt: Sans-Serif-Schriften wirken modern, minimalistisch, praktisch und zugänglich. Serifenschriften erwecken einen kultivierten, kunstfertigen, etablierten und hochwertigen Eindruck.
2. Wichtigste Medien festlegen
Bedenken Sie in welchen Kontexten Ihre Schrift im kommenden Jahr am häufigsten auftauchen wird. Wenn die Touchpoints für Ihre Kundschaft 70 % (oder mehr) in einer digitalen UI zu finden sind (Apps, Dashboards, kleinere Screens), dann sollte Ihr Typografiesystem auf serifenlosen Schriften basieren. Wenn bei Ihrer Marke gedruckte Langformtexte und magazinartige Layouts dominieren, dann sollten serifenbetonte Schriften die Basis bilden.
3. Publikumsanforderungen und Zugänglichkeit beachten
Bedenken Sie, was Ihr Publikum von Ihrer Branche erwartet, welche Altersklassen wahrscheinlich vertreten sind und in welchen Umgebungen diese lesen. Für die Bereiche Luxus und (Kunst-)Handwerk sind Serifenschriften eine gute Wahl; wenn es um Technik oder alltäglichen Gebrauch geht, bieten sich eher serifenlose Schriften an. Setzen Sie auf klare Buchstaben, großzügige Mittellängen, offene Punzen und starke Kontraste.
4. Sich unterscheidbar machen
Sehen Sie sich etwa sechs bis zehn Ihrer Mitbewerber an und notieren Sie sich deren Hauptschriftarten – geometrische Groteske, dynamische Groteske, klassizistische Antiqua und so weiter. Gibt es Schriftklassen, die in Ihrer Branche besonders häufig zum Einsatz kommen? Vermeiden Sie diese lieber, damit Sie nicht in der Masse untergehen.
5. Nach Alltagstauglichkeit eingrenzen
Wählen Sie zwei oder drei Schriftfamilien, die Ihre Marketing- und Unternehmenszielen wiederspiegeln. Idealerweise bietet jede davon verschiedene Schriftstärken und Neigungen (normal, kursiv, schräg), Sonderzeichen und Akzente für andere Sprachen (die Sie entweder schon bedienen oder noch in der Planung haben), Zeichensätze für Daten und Designvarianten wie Kapitälchen oder verschiedene optische Größen, falls benötigt. Überprüfen Sie, dass die Lizenzbestimmungen für Ihre Anwendungszwecke und Ihr Budget passen, dass die Font Foundry bzw. der Anbieter aktiv ist und dass variable Schriften oder Updates erhältlich sind.
6. Pilotversuch starten und zeitnah testen
Fügen Sie jeden Ihrer Favoriten in einige Ihrer echten Assets ein, beispielsweise eine Seite Ihrer Handy-UI, eine Marketingseite, eine ein- bis zweiseitige Leseprobe oder eine datenlastige Komponente. Bewerten Sie Aussehen und Lesbarkeit auf durchschnittlichen und hochauflösenden Bildschirmen sowie im Druck. Der Sieger sollte selbst bei kleinen Größen deutlich lesbar sein, sich Ihrer Marke angleichen und Sie von Mitbewerbern absetzen.
7. Typografisches System festlegen
Nachdem der Sieger feststeht, müssen Sie entscheiden, wie und wo er zum Einsatz kommt. Wenn eine Sans-Serif-Schrift im Mittelpunkt Ihres Typografiesystems steht, dann ergänzen Sie sie mit einer Serifenschrift für Überschriften oder Langformtexte; basiert Ihr System auf einer Serifenschrift, dann wählen Sie auch eine funktionelle Sans-Serif-Schrift für UI-Elemente und kleine Texte. Definieren Sie dann welche Größe, Stärke und Neigung die verschiedenen Textarten wie Überschriften, Fließtext, Bildunterschriften, Daten, Schaltflächen und Eingabefelder haben sollen. Eine einfache Skala hilft Ihrem Team, Schriften jederzeit richtig anzuwenden.
8. Dokumentieren und korrekte Anwendung durchsetzen
Fassen Sie Ihre Typografierichtlinien auf einem einseitigen Merkblatt für Ihr Team zusammen. Geben Sie nicht nur die Schriftarten an, sondern auch, wo diese gespeichert sind oder heruntergeladen werden können. Führen Sie auf, welche Variante für welche Textart verwendet werden soll, inklusive Größen, Zeilenhöhen und Unterschneidung/Kerning für Breakpoints in Ihrem responsiven Design. Geben Sie auch das Minimum für Kontraste sowie ein paar Richtig/Falsch-Beispiele an und speichern Sie die Richtlinie in Ihrem Corporate-Design-Ordner ab, damit sie leicht aufzufinden ist.
Wenn Sie noch mehr zu Schriftarten wissen möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Artikel zu den 9 Top-Schriftarten-Trends von 2025.
Trends für serifenlose und serifenbetonte Schriften
Genau wie Technologie und Kultur entwickeln sich auch Schriften weiter. Erstens – für Bildschirme optimierte Serifenschriften werden im digitalen Raum weiter an Boden gewinnen, da sie als variable Schriften mit verbesserter Anpassbarkeit punkten: dünn für Überschriften, stärker für Text, vereint in einer Datei. Zweitens – Persönlichkeit ist wieder angesagt: Nach einem Jahrzehnt minimalistischer Gleichheit wenden sich Marken zunehmend ausdrucksstarken Serifenschriften und charaktervollen dynamischen Grotesken zu, um aufzufallen. Es ist immer gut, die neuesten Schrifttrends im Auge zu behalten. Nicht, um jeden davon umzusetzen, sondern um zu erkennen, wo sich dank Flexibilität und Unterscheidung neue Möglichkeiten auftun.

Beispiel eines Website-Builders mit serifenlosen Schriften für die Digitalanzeige
Schriften erzählen Ihre Markengeschichte
Die Wahl zwischen serifenlosen und serifenbetonten Schriftarten ist eine strategische Entscheidung, die beeinflusst, wie Ihre Kundschaft Ihre Marke wahrnimmt, wie einfach Ihre Produkte zu benutzen sind und wie einprägsam Ihre Marke ist.
Serifenschriften verkörpern Tradition, Autorität und Wärme mit Magazinflair. Sans-Serif-Schriften bieten Klarheit, Moderne und digitale Schlichtheit.
Starke Marken nutzen meistens beide Stile, aber mit Bedacht, und lassen den Anwendungszweck die Serifenfrage beantworten. Starten Sie mit Ihrer Markenpersönlichkeit und Ihren wichtigsten Medien, behalten Sie Ihr Publikum im Gedächtnis und wählen Sie den Stil, der das Storytelling Ihrer Marke unterstreicht. Mit einem klar definierten Typografiesystem, ein paar sich ergänzenden Schriftfamilien und Testläufen wird aus etwas bisher Unklarem ein großer Wettbewerbsvorteil.
FAQ
Was unterscheidet serifenlose und serifenbetonte Schriftarten?
Serifenschriften haben kurze, häkchenartige Linien (Serifen) am Ende und Anfang von Buchstabenschäften und -bögen. Dadurch erhalten sie ein klassisches Aussehen, das an gedruckte Bücher erinnert. Sans-Serif-Schriften haben keine Serifen, was ihnen einen schlichteren, modernen Look verleiht.
Wann sollten Marken Serifen- oder Sans-Serif-Schriften verwenden?
Wenn es Ihnen um den Ausdruck von Tradition, Expertise, Luxus oder magazinartiges Flair geht, dann empfehlen wir serifenbetonte Schriften. Sie sind perfekt für hochwertige Güter, Storytelling mit Traditionscharakter und Services, die Autorität vermitteln möchten. Verwenden Sie serifenlose Schriften, wenn Sie Moderne, Schnelligkeit und Klarheit signalisieren möchten. Sie passen besonders zu Technik, Digital-First-Marken und Unternehmen, die stark auf Benutzeroberflächen setzen.
Serifenbetonte Schriften für den Druck, serifenlose Schriften für den Bildschirm?
Das war bisher immer die Empfehlung, ist allerdings nicht mehr unbedingt zeitgemäß. Auf Papier bieten Serifenschriften wunderbare Lesbarkeit für Langformtexte. Auf Bildschirmen erscheinen Sans-Serif-Schriften auch in kleinen Größen noch klar und scharf. Eine moderne Serifenschrift mit korrekt angewandtem Hinting sieht auch im digitalen Raum gut aus und eine Sans-Serif-Schrift mit sorgfältig gewählten Unterschneidungen und Zeilenabständen bietet sich auch als Print-Schrift an. Die Lesbarkeit einer Schrift hängt von Qualität, Größe, Abständen, Zeilenlänge und Farb- sowie Strichkontrasten ab, nicht so sehr von der Schriftgruppe.
Kann ich serifenlose und serifenbetonte Schriften gemeinsam in meinem Design verwenden?
Natürlich – und das ist auch eine wirkungsvolle Strategie, um Hierarchien und Persönlichkeit hinzuzufügen. Wählen Sie kontrastierende Schriftfamilien (beispielsweise eine feine Serifenschrift und eine dynamische Groteske), legen Sie Rollen fest (Überschrift, Fließtext etc.) und halten Sie sich an das von Ihnen definierte Typografiesystem (nicht mehr als zwei Schriftarten). Dokumentieren Sie die Schriftgrößen, Zeilenhöhe und Gewichtungen für die verschiedenen Rollen, damit Ihr gesamtes Team Ihre Schriften konsistent einsetzen kann.
Welche Emotionen oder Markenbotschaften werden durch serifenlose bzw. serifenbetonte Schriften kommuniziert?
Serifenschriften drücken meist Vertrauenswürdigkeit, Raffinesse, Tradition und Kunstfertigkeit aus. Sans-Serif-Schriften signalisieren Klarheit, Moderne, Freundlichkeit und Effizienz. Wählen Sie den Stil, der die gewünschte Emotion schon vor dem Lesen des ersten Satzes bei Ihren Kunden und Kundinnen auslöst.
