Guerilla Marketing: Beispiele und Ideen für Kleinunternehmen, Solopreneure und Kreative
Was ist Guerilla-Marketing? Das und vieles mehr erklären wir Ihnen hier, damit bald auch Ihr Kleinunternehmen mit Guerilla-Werbung auffallen kann.
Was die Big Players können, können Sie schon lange: Guerilla-Marketing hat, nicht erst durch das Aufkommen von Social Media, immer mehr an Beliebtheit gewonnen. Aktionen von global agierenden Konzernen, aber auch geniale Ideen von Kleinunternehmern sorgen immer wieder für Aufruhr und bescheren den Urhebern nicht selten großen Erfolg. Und das Beste? Selbst – ja, sogar gerade! – mit kleinem Budget und auf lokaler Ebene lassen sich Guerilla-Marketing-Ideen mit Grips und Mut umsetzen.
„[Guerilla-Marketing setzt auf die] Erreichung konventioneller Ziele, wie Profit und Glück, mit unkonventionellen Methoden, zum Beispiel einer Investition von Energie statt Geld.“Jay Conrad Levinson
Definition Guerilla-Marketing: Bedeutung und Ursprung der auffälligen Publicity-Stunts
Ursprünglich bezeichnet der Begriff Guerilla (span. „Kleinkrieg“) eine ungewöhnliche Kriegsführung, die untypische Taktiken im Hinterland des Gegners anwendete.
In Bezug auf die Werbebranche ist Guerilla-Marketing also ein Ansatz, der überraschend, spektakulär, rebellisch und ansteckend daherkommt: Eingesetzt werden dabei verschieden Methoden und Instrumente, die mit geringen Kosten bei vielen Menschen für Überraschung sorgen sollen, um ein möglichst gutes Verhältnis von Werbenutzen und -kosten zu erzielen.

Das Kernprinzip der Guerilla-Werbung
Guerilla-Werbung wie Guerilla-Marketing sind unkonventionell, kostensparend und hochwirksam.
Das bedeutet: Auch als Kleinunternehmen, süßes Café im Ortskern oder Bekleidungsgeschäft in einer Kleinstadt stehen Ihnen viele Möglichkeiten für eigene Guerilla-Marketing-Ideen offen.
Aber was heißt das nun genau? Eine Guerilla-Promotion muss nicht einfach nur zweidimensionale Werbung auf einer Plakatwand oder ein Aufsteller im Schaufenster für passive Zuschauer sein; vielmehr werden wir als Zielgruppe der Guerilla-Aktion plötzlich zum Teil des Ganzen, sollen interagieren und sind mittendrin, statt nur dabei. Und das ist natürlich nicht nur aufregend, sondern lässt sich digital und viral perfekt vermarkten.
10 ikonische Guerilla-Marketing-Beispiele als Inspiration für Ihr Unternehmen
Neben Neuansätzen für Werbung an sich (wie auf T-Shirts, Kassenbons, spontan befestigten Aufklebern und Plakaten) umfasst Guerilla-Marketing gern extreme Aktionen und urkomische Ideen, die lange im Gedächtnis bleiben.
Sehen wir uns anhand einiger Beispiele für Guerilla-Marketing, was alles möglich ist, wenn Mut, ungewöhnliche Ideen und, zugegebenermaßen, gelegentlich auch mal etwas Budget an der richtigen Stelle ansetzen:
1. Axe – eine Werbeidee, die sich vor Nachmachern kaum retten können wird
Die Kosmetikmarke Axe ist bekannt für einprägsame Werbung. Die Mini-Ergänzung der Notausgangsschilder mit weiblich aussehenden Strichmännchen, die dem (= mit Axe bedufteten) männlich aussehenden Strichmännchen hinterherjagen, halt Kultstatus in der Werbebranche.
2. John Mullally – günstige Zahnarztwerbung mit Biss
Die Zahnarztpraxis von John Mullally in Michigan fiel mit ihrer super-schlichten, aber genialen Idee für abreißbare Kontaktdetails in Form eines Gebisses auf. Rosa Plakatfarbe, darauf weiße “Zähne” mit Praxisadresse zum Mitnehmen.
3. PortAventura World – Achterbahnwerbung, in den Alltag integriert
Durchschlagende Wirkung erzielen Ideen besonders dann, wenn sie in unserem gewohnten Lebens- oder Arbeitsumfeld in Form einer unerwarteten Umsetzung stattfinden. PortAventura World, ein Freizeitpark in Katalonien, machte sich das Design der örtlichen Bushaltestellen-Sitze mit clever positionierten Achterbahnsitz-Plakaten dahinter zunutze.
4. Filmwerbung für „Es“ und „King Kong“ – genial einfach (und dabei aufwendig)
Besonders bei heiß erwarteten Veröffentlichungen und Launches bieten sich aufmerksamkeitsstarke Guerilla-Marketing-Ideen an.
Für die Neuverfilmung von Stephen Kings „Es“ reichte ein simpler, roter Heliumballon und eine aufgesprühte Ankündigung des Kinostarts neben Abwasserkanalöffnungen, um einen Hype um den Film loszutreten.
Durchaus aufwändiger war im Vergleich dazu die Werbeaktion vor der Premiere von „King Kong“ 2017 in Santa Monica Beach, wo Warner Brothers die enormen Fußstapfen des Riesenaffen überlebensgroß im Sand ausheben ließ, um den Menschen ein Gefühl für die schiere Größe von King King zu vermitteln.
5. Der Kopenhagener Zoo – tierisch gute Werbung, die einem den Atem raubt
Auch der Kopenhagener Zoo setzte auf besonders ungewöhnliches Marketing, indem er Busse mit aufgedruckten Würgeschlangen auf die Straße schickte, die die Transportmittel ganz in ihrer Gewalt zu haben schienen.
6. KitKat – der beliebte Schokoriegel setzt auf witzige Ruheplätze
Ganz getreu dem eigenen Marken-Slogan bietet KitKat bei dieser Guerilla-Promotion nicht etwa nur Schokoriegel für die nächste Pause an, sondern auch zu KitKat-Riegeln umgestaltete Sitzbänke, die die Zielgruppe zum direkten Ausruhen einladen.
7. Reisebüro Giller – simple Methode, clevere Strategie
Hier folgen nun ein paar deutsche Beispiele, manche quasi kostenfrei, andere mit etwas mehr Budget für Marketing-Aktionen.
Das Münchner Reisebüro Giller zum Beispiel hat es sich besonders leicht gemacht – aber dennoch um die Ecke gedacht. So haben sie den starken Schneefall in Bayern als Werbefläche genutzt und Reiseziele wie Ibiza und Mallorca samt Preis auf die Frontscheiben parkender Autos geschrieben. Dazu Flyer unter die Scheibenwischer: Fertig war die bundesweit gefeierte Werbeaktion!
8. Wix – Doppeldeutigkeit als Überraschungsmoment
Neben Einfallsreichtum kann auch ein wenig Selbstironie ein gutes Instrument für Guerilla-Marketing-Aktionen sein, so beispielsweise von WIX, die sich aufgrund der Doppeldeutigkeit Ihres Namens für eine provokante Aktion entschieden, die laut Umfragen durch ihren Humor besonders punkten konnte. Sie brachten provokant betitelte XXL-Plakate an markanten Hauswänden an.
9. fritz-kola – Umstieg auf nachhaltige Verpackungen im Getränkehandel
Aus vielen Aktionen von fritz-kola erinnert man sich auch an den Plastikflaschenberg, der im Berliner SONY Center aufgebaut wurde. Darauf saß eine Person im schwarzen Hoodie mit einem Aufdruck, der zum Trinken aus Glas aufforderte.
10. BSR – Berliner Schnauze live
Die orangefarbenen Mülleimer der Berliner Stadtreinigung BSR sind ohnehin kaum zu übersehen. Zusätzlich begeistert das Unternehmen seit Jahrzehnten mit coolen Sprüchen, die auch bei Events wie etwa der Berlinale an die Location angepasst werden.
Von frechem „Ich bin Reiner” und „Kippendiener” (mit Butler-Handschuhen als Deko) bis hin zu literarischem „Im Restmüll nichts Neues”, saisonalem „Ick laub, es harkt!” und zur Fashion Weel auch mal mit „Louis Vuittonne” – nichts ist der Werbeabteilung der Berliner heilig … und das ist gut so.


Kreative Guerilla-Marketing-Ideen, die Sie noch diese Woche umsetzen können
Sie müssen keine King-Kong-Fußstapfen organisieren oder Hunderttausende Euros in eine Umgestaltung der Transportmittelflotte Ihrer Stadt investieren. Denn nicht umsonst leben wir im Land der Dichter und Denker.
Nehmen Sie sich einen Notizblock und lassen Sie sich Zeit, um zu überlegen, wie Ihr Unternehmen, Ihr Shop oder Ihr Restaurant auf sich aufmerksam machen können.
Und wir stellen in der Zwischenzeit selbst eine Liste an kleinen (und großen) Aktionen zusammen, die Sie leicht umsetzen können:
- Sticker-Bombing: Platzieren Sie einfach Aufkleber, auch in benutzerdefinierter Form, auf ungewöhnliche Weise auf Alltagsobjekten, um dafür zu sorgen, dass die Menschen ein zweites Mal hinsehen müssen. (Wichtig: Sticker dürfen nicht überall in der Stadt geklebt werden!)
- Interaktive Streetart: Nutzen Sie auffällige Vinyl-Werbebanner oder Bodenfolien, um eine optische Täuschung oder einen coolen Fotohintergrund zu gestalten, der zu Schnappschüssen und zum Teilen einlädt.
- Ihr Produkt/Logo auf Schildern: Ganz im Stil der Axe-Werbung können Sie für Ihr Geschäft Schilder-Ergänzungen designen, die Ihren Shop hervorheben.
- Publicity-Stunt: Lehnen Sie sich an die Aktion von fritz-kola an und sammeln Sie in Ihrer Community Einweg-Plastikbehältnisse, um Plastiknutzung zu kritisieren und so beispielsweise für die Mehrweg-Takeaway-Produkte Ihres Cafés zu werben. (Vergessen Sie dabei aber nicht, aufzuräumen.)
- Menschliche Reklametafeln: Rüsten Sie einen Flashmob oder lokale Markenbotschafter mit werbeträchtiger Kleidung wie T-Shirts und Caps aus.
- Einbindung lokaler Sehenswürdigkeiten: Sie haben einen kleinen Modeladen? Dann kleiden Sie doch die berühmte Statue auf dem Marktplatz neu ein, teilen Sie das Foto reichweitenstark auf Social Media, oder platzieren Sie die chic gewandete Statue in Ihrem Laden prominent als Pappaufsteller. Selbstverständlich auch für Kleidung mit Logo anderer Lokale und Einrichtungen geeignet!
- Besonderes Networking: Platzieren Sie Ihre Visitenkarten an relevanten, aber unerwarteten Orten, zum Beispiel so kreativ wie der US-amerikanische Zahnarzt oder das Münchner Reisebüro; alternativ eignen sich auch Lesezeichen im lokalen Buchhandel oder der Bibliothek, um für Ihre Nachhilfe oder Korrekturdienstleistungen zu werben.
- Schnitzeljagd mit versteckten Hinweisen: Wecken Sie das Interesse der Menschen durch clever platzierte Hinweise, beispielsweise selbst gestaltete Flyer, die den Zugang zu einem besonderen Ort, Event oder limitierten Produkt ermöglichen.
Wichtig ist bei jedweder Guerilla-Kampagne am Ende eigentlich nur, dass Sie Ihrer Marke und Ihrem Motto treu bleiben, denn eine Guerilla-Promotion ohne direkt erkennbaren Bezug zu Ihrem Produkt, Ihrer Marke oder Ihrem Shop ergibt wenig Sinn, egal, wie unterhaltsam und provokant sie auch sein mag.
Aber ist das legal? Dos & Don’ts für Guerilla-Promotion in Deutschland
Auch wenn Guerilla-Marketing oftmals halb-legal oder illegal betrieben wird, indem beispielsweise in großer Zahl Aufkleber oder Plakate an nicht genehmigten öffentlichen Flächen angebracht werden, raten wir Ihnen von derartigen Aktionen ab, selbst wenn sich Bußgelder im Verhältnis zum Werbeerfolg in Grenzen halten. Schließlich haben Sie einen guten Ruf zu verlieren, und die Grenze zwischen überraschender Kreativität und Vandalismus kann durchaus sehr schmal sein.
Machen Sie sich daher am besten in Ihrem lokalen Bürgerbüro oder Rathaus zu räumlichen und rechtlichen Beschränkungen schlau. Kalkulieren Sie auch unkontrollierbare Risiken wie Wetterbedingungen und Tageszeit mit ein, falls diese Ihre Aktion beeinträchtigen. Seien Sie sich bewusst, dass diese Werbemaßnahmen vermutlich eher nur kurzzeitig funktionieren, solange der Gewöhnungseffekt noch nicht eingetreten ist.
Bedenken Sie dabei auch, dass die Reaktion Ihrer Zielgruppe und anderer Mitmenschen sowie die Auswirkungen auf Ihr Markenimage nicht immer kalkulierbar sind. Wenn Sie Kritik begegnen, achten Sie darauf, offen und konstruktiv zu reagieren. Denn vergessen Sie nicht: Bei Guerilla-Marketing geht es ja gerade um Reaktionen.
Um potenziellen Problemen mit Genehmigungen direkt aus dem Weg zu gehen, achten Sie darauf, keine privaten Flächen für Ihre Guerilla-Werbung zu nutzen und wenn möglich mit leicht entfernbaren Materialien zu arbeiten, wie Kreide, Aufstellern, Magnetschildern und abnehmbaren Werbefolien.
Wie misst man den Erfolg von Guerilla-Marketing?
Um am Ende nachvollziehen zu können, ob Ihre Guerilla-Marketing-Aktion von Erfolg gekrönt war, bieten sich verschiedene Methoden an:
- QR-Codes auf Postkarten, Flyern oder Plakaten: zum Tracken von Seitenbesuchen und Käufen.
- Profit am Aktionstag: Falls Sie direkt vor Ort Produkte verkaufen oder Unterschiede zu sonstigen Verkaufszahlen feststellen können.
- Neue E-Mail-Abos oder Kontoanmeldungen.
- Tracking auf Social Media: Wie oft wurde Ihr Content geteilt, kommentiert, geliked und gespeichert?
Bereit, Ihre eigene Guerilla-Marketing-Kampagne zu starten?
Wie Sie jetzt wissen, muss Guerilla-Marketing nicht immer ganze Stadtbereiche betreffen und das Werbebudget für mehrere Jahre verschlingen, sondern kann mit besonderen Ideen und vielseitigen Accessoires wie Flyern, Postkarten, Postern, Bannern etc. auch lokal vor Ort sehr gut funktionieren.
Solange Sie Ihrer Kreativität freien Lauf lassen, in günstiges, aber wirksames Guerilla-Zubehör investieren und den Erfolg Ihrer Aktion mit QR-Codes zum Beispiel nachverfolgen, kann quasi nichts mehr schief gehen. Also, auf geht’s, stürzen Sie sich in den Groß- oder Kleinstadtdschungel und stellen Sie Ihren eigenen Publicity-Stunt auf die Beine!
