Markenfarben: So wählen Sie die Farbpalette für Ihre Brand

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Chase. Citibank. Barclay’s. Bank of America. Alles Banken. Alle nutzen Blau als Haupt-Markenfarbe. Auch deutsche Finanzinstitutionen wie Deutsche Bank oder DKB setzen auf Blau. Offensichtlich ist es kein Zufall, dass diese Finanzunternehmen bei Ihrer Markenidentität diese bestimmte Farbe gewählt haben. Warum ist es so und wie hilft es Ihnen bei der Wahl Ihrer Logo- und Markenfarben?

Image of assorted blue logos from famous and trusted brands.

Laut diesemArtikel von The Indian Express betrachten Verbraucher Marken, die Blau verwenden, als umweltfreundlicher. Nicht einmal Grün kann hier konkurrieren.

Die kurze Antwort auf die Frage nach dem “Warum” ist, dass die Banken oder vielmehr ihre Branding-Verantwortlichen wissen, wie man die Farbenlehre für die Markenidentität einsetzt.

Wenn Sie eine Marke aufbauen, hilft Ihnen das Wissen um die Bedeutung von Farben beim Logodesign und Branding genau so, wie es den Finanzinstituten in unserem Beispiel hilft.

In diesem Artikel besprechen wir alles Wissenswerte zum Thema Markenfarben.

Wir reden über Konzepte der künstlerischen Disziplinen wie Farbenlehre und Kunstgeschichte – und bringen sie mit den besten Methoden für Branding, Marketing und Strategie zusammen.

Doch zuerst sollten wir uns der Frage widmen, weshalb Markenfarben zu wichtig sind, um sie dem Zufall zu überlassen.

Die tragende Rolle von Markenfarben

Different branding colors shown in a rainbow of different logos.

„Farben folgen, ebenso wie Eigenschaften, den Veränderungen der Emotionen.“ Pablo Picasso

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Liebe“ hören? Ob positiv oder negativ, es beschwört sehr wahrscheinlich eine größere emotionale Reaktion, als das Wort „Handy-Stativ“.

Emotionen sind kraftvoll und (ob es uns gefällt oder nicht) sie steuern unseren Entscheidungsprozess. So sollte auch eine Marke eine starke, emotionale Verbindung zu ihren Kunden entwickeln. Das Problem dabei ist nur, dass die gesamte Lebensgeschichte eines Unternehmens nicht in ein Logo oder auf eine Ladenfassade passt – hier kommen die Markenfarben ins Spiel. Markenfarben bieten eine Abkürzung direkt in die Herzen der Kunden.

Einer der bekanntesten Farbtheoretiker, Faber Birren, schrieb in seinem Buch Color Psychology and Color Theory über die Verbindung zwischen Farben und unserem emotionalen Zustand. Ebenso wie die Worte „Liebe“ und „Handy-Stativ“ verschiedene Emotionen auslösen, erzeugen Farben wie Rot und Blau jeweils verschiedene menschliche Reaktionen.

Noch interessanter ist, dass dieselben Farben dazu neigen, bei verschiedenen Menschen die gleichen Emotionen hervorzurufen. Mit anderen Worten, Gelb erzeugt dieselben Gefühle bei Menschen von Berlin bis Beijing. Dabei wirken sich Schattierungen einzelner Farben unterschiedlich aus; Dunkelblau und Himmelblau etwa erzeugen unterschiedliche emotionale Reaktionen.

Page from A New Practical Treatise on the Three Primitive Colours Assumed as a Perfect System of Rudimentary Information by Charles Hayter.

Farbenlehre ist wesentlich mit der Geschichte der Menschheit verbunden, wie man anhand dieser Seite eines Manuskripts aus dem Jahr 1826 von Charles Hayter erkennen kann.

Farbenlehre ist also weit mehr als nur „Pink ist eine hübsche Farbe“. Psychologen bringen sie mit der Evolution der Menschen in Verbindung; unsere Einstellungen zu Farben haben sich entwickelt, nachdem sie über Jahre mit bestimmten Dingen assoziiert wurden. Die Farbe von Blut beispielsweise alarmiert uns Menschen; die Brauntöne von Schmutz und verdorbenen Lebensmitteln neigen dazu, unappetitlich zu wirken.

Dies ist nicht immer in Stein gemeißelt. Schließlich kann es sein, dass Bauern (und Schokoladenliebhaber) Braun lieben. Und wir sollten nicht vergessen, dass die Menschen Blau erst seit dem letzten Jahrtausend sehen. Wenn wir Millionen Jahre biologischer Konditionierung beachten, kann man leicht verstehen, inwiefern Verbindungen zu Farben weit mehr sind, als nur eine Vorliebe… Etwas, das der Menschheit schon seit einiger Zeit bekannt ist.

Assortment of colored currency from around the world.

Amerikaner arbeiten hart für ihre „Grünen“, aber arbeiten Europäer hart für ihre „Blauen“?

Und vergessen wir auch die kulturellen Assoziationen nicht. Ein deutliches Beispiel dafür ist, wie Amerikaner Grün mit Geld assoziieren, weil die Währung, die sie jeden Tag nutzen, grün ist. Menschen aus anderen Ländern würden die Redewendung „spending greens“ nicht unbedingt verstehen; ein Unternehmen, dass sich für Grün entscheidet, würde allerdings Anklang bei so ziemlich jedem finden.

Die Wissenschaft zwischen den psychologischen Effekten von Markenfarben sollten wir daher nicht ignorieren. Angesichts der Wissenslage lautet die Frage daher nicht „Funktionieren Markenfarben?“ sondern „Wie schaffe ich es, dass Markenfarben für mich funktionieren?

Anwendung von Markenfarben

Laut dem Neurowissenschaftler Antonio Damasio ist es wichtiger, was Verbraucher in Bezug auf eine Marke empfinden, als was sie über eine Marke denken.

Kombinieren wir dies mit unserem Wissen, dass bestimmte Farben bestimmte Emotionen wecken, ergibt sich der logische Schluss: Ihre Markenfarben können einen größeren Einfluss auf Ihre Verkäufe haben als Ihre Produkte selbst.

Darüber hinaus kann die Wiederholung derselben Farbe die Markenbekanntheit stärken. Das Rot von Coca-Cola, das Valentino-Pink, das Starbucks-Grün … (Und die Marketingwelt hat von Heinz’ tragischem Ausflug mit dem lila Ketchup gelernt.) Wenn sie oft genug gesehen wird, wird Farbe Teil einer Marke, daher wollen auch Sie diese Assoziation bestärken, indem Sie Ihre Markenfarben regelmäßig verwenden.

Nur der Vollständigkeit halber sind hier die häufigsten Bereiche, in denen Ihre Markenfarben zum Tragen kommen sollten:

  • Logo/Branding
  • Website
  • Ladenfassade
  • Ladendesign
  • Teamuniformen
  • Werbeanzeigen
  • Verpackungen
  • Messestände
Photograph of the interior of Best Buy.

Best Buy hat ein cooles Farbschema aus primärem Blau und unterstützendem Gelb gewählt, ein komplementäres Paar, wie wir weiter unten erläutern. Blaue Teppiche, blaue Wände, blaue Shirts für die Angestellten – ein Blick auf dieses Bild und man weiß, dass man nicht bei Media Markt ist.

Wenn Sie dieselben Farben konsequent in all Ihren Unternehmensbereichen nutzen, stärken Sie die Bindung Ihrer Marke mit diesen Farben und dadurch nachhaltig auch Ihre Markenbekanntheit als Ganzes.

All dies läuft darauf hinaus, dass Ihre Farbwahl sorgfältig getroffen werden muss, da sie einen direkten Einfluss auf Ihre Markenidentität und Ihr Unternehmensimage hat. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Ihre persönlichen Lieblingsfarben! Sie mögen privat vielleicht am liebsten Pink, das aber möglicherweise die schlechteste Farbe für Ihre Unternehmensziele ist.

Und damit Sie entscheiden können, welche Farbe Ihre Brand repräsentieren soll, bestimmen Sie Ihre ideale Markenpersönlichkeit.

Wie Sie Ihre Markenpersönlichkeit bestimmen

Rot hat für Target, die eine energiegeladene, jugendliche und laute Markenpersönlichkeit wollten, wahre Wunder bewirkt. Aber Rot würde nicht für Unternehmen wie Caspar-Matratzen funktionieren, die eine ruhige und entspannte Markenpersönlichkeit entwickelt haben, um guten, entspannten Schlaf zu symbolisieren.

picture of spectrum of brand personality traits

Die Markenpersönlichkeit ist im Grunde Ihr Unternehmen als Person. Stellen Sie sich die Fragen: Wer ist sie? Was ist ihr wichtig? Ist sie verspielt oder seriös, modern oder traditionell, extravagant oder apart?

Sobald Sie festgelegt haben, was Ihre Markenpersönlichkeit ausmacht, bringen Sie das mit den emotionalen Farbassoziationen zusammen.

Emotionale Assoziation der Farben

Hier ist eine kurze Übersicht über die allgemeine Bedeutung der Farben im westlichen Kulturkreis:

  • Rot – Leidenschaft, Alarmbereitschaft, Aufmerksamkeit
  • Orange – Verspieltheit, Freundlichkeit, Vitalität
  • Gelb – Freude, Optimismus, Warnung (gern auch als Aktionsfarbe bei Rabatten verwendet)
  • Grün – Natur, Stabilität, Wachstum
  • Hellblau – Ruhe, Vertrauen, Offenheit
  • Dunkelblau – Professionalität, Sicherheit, Förmlichkeit
  • Violett – Noblesse, Kreativität, Luxus
  • Pink – Weiblichkeit, Jugendlichkeit, Unschuld
  • Braun – robust, erdig, traditionell
  • Weiß – einfach, minimalistisch, rein
  • Grau – Neutralität, Schwermut, gedämpft
  • Schwarz – kräftig, elegant, ausgefallen

Natürlich ist das eine verkürzte Übersicht. Unsere Verbindung zu Farbe geht noch viel tiefer und beinhaltet unterschiedliche Farbnuancen, Farbkombinationen und den Einsatz als Haupt- oder Sekundärfarbton. Zu viel freundliches Gelb kann beispielsweise Angst auslösen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Farbpsychologie.

Screenshot from the website of Chase Bank.

Wenn es darum geht, jemandem all dein Geld zu überlassen, ist Vertrauen das Wichtigste. Deshalb gibt es so viel Blau auf den Webseiten der Chase Bank und anderen Finanzinstituten.

Falls Sie sich entschließen, bei Ihrem Logo und Branding lediglich eine Markenfarbe zu verwenden, ist der schwere Teil vorüber.

Die meisten werden aber vermutlich eine kompliziertere Farbzusammenstellung mit einer Reihe von Farben wollen. Das im Sinne Ihrer Marke gekonnt zu kombinieren, ist eine weitere Herausforderung.

Gibt es eine Formel für eine Marken-Farbpalette?

Natürlich gibt es nicht den einen richtigen Weg, um die Farbpalette für Ihre Brand auszuwählen.

Aufgrund der unendlich vielen Kombinationsmöglichkeiten ist es bei der Markenidentität außerdem schwierig, auf feste Regeln zu hoffen. Der Prozess kann aber schon einschüchternd und verwirrend sein, daher ist jede Hilfestellung hilfreich.

Deshalb zeigen wir Ihnen hier einen Prozess fürs Erstellen einer Farbpalette, den Sie als Rahmen verwenden können (und weniger als Schritt-für-Schritt-Anleitung).

1. Setzen Sie auf 3 Farben

Farbpaletten für Marken können zwischen 1-4 Farben haben, abhängig von der Art des Brandings (siehe unten). Und selbst einfarbige Schemata erfordern etwas Variation bei den Schattierungen: für verschiedene Zwecke.

Starten Sie daher mit 3 Farben: Einer Grundfarbe, einer Akzentfarbe und einer neutralen Farbe.

2. Wählen Sie Ihre Grundfarbe

Welche Eigenschaft Ihrer Markenpersönlichkeit ist am wichtigsten?

Ihre Grundfarbe sollte nicht nur die wichtigste Eigenschaft der Markenidentität widerspiegeln, sondern auch die gewünschte Zielgruppe ansprechen.

Und die verbleibenden Farben suchen Sie danach aus, wie gut sie zu dieser passen.

3. Wählen Sie Ihre Akzentfarbe

Ihre Akzentfarbe wird die Farbe sein, die Sie nach der Grundfarbe am häufigsten verwenden. Hier ist es ein wenig schwieriger als bei der Grundfarbe, denn es gelten mehr Einschränkungen: Abgesehen davon, dass sie zu einer Eigenschaft der Markenpersönlichkeit passen muss, muss Ihre Akzentfarbe auch visuell mit Ihrer Grundfarbe harmonieren, ganz zu schweigen davon, dass sie deiner Zielgruppe gefallen muss.

4. Wählen Sie Ihre neutrale Farbe

Deine neutrale Farbe wird wahrscheinlich eine Hintergrundfarbe sein. Typischerweise sind dies verschiedene Grauschattierungen, aber auch Beige- und Weißtöne passen gut. Schwarz ist auch eine Möglichkeit, aber dabei ist Vorsicht geboten; Schwarz neigt dazu, jedes Farbschema, in dem es sich befindet, zu dominieren.

Das klassische Coors ist ein günstiges Bier, das einen reiferen, männlicheren Verbraucher anspricht. Sie verwenden ein dunkles Blau, um Reife zu signalisieren, und ein goldener Farbton, der sich zwischen einem schroffen, maskulinen Braun und einem zugänglichen Gelb bewegt.

Während Sie Ihre Markenfarben wählen, kann Ihnen die Wahl eines Farbschemas helfen. Typischerweise nutzt man im Branding eines dieser üblichen Farbschemata:

The main schemes for branding colors, shown on a color wheel.

Bei der Wahl der Markenfarben ist der Farbkreis eines der größten Hilfsmittel. Es zeigt, in welcher Position sich die Farben zueinander befinden.

  • Monochromatisch – Eine Farbe in verschiedenen Schattierungen. Wenn sich Ihre Branding auf nur eine Eigenschaft und somit eine Farbe fokussiert, wird ein monochromes Farbschema die Bedeutung dieser Markenfarbe unterstreichen. Obwohl es gut für minimalistische Marken geeignet ist, besteht die Herausforderung hier darin, die Schattierungen genügend zu differenzieren, damit die Farbpalette nicht verwaschen wirkt.
  • Analog – Zwei oder drei Farben, die im Farbkreis nebeneinander liegen, harmonieren miteinander, da benachbarte Farben in der Regel dieselben emotionalen Konnotationen haben. Analoge Schemata sind eine sichere Sache, aber als solche nicht die besten für Brands, die markant und laut auftreten wollen.
  • Komplementär – Komplementärfarben – oder Gegensätze – sind Farben, die sich im Farbkreis direkt gegenüberliegen. Da sie Gegensätze sind, wirken sie in Kombination besonders stark, weshalb man sie oft etwa bei Sportteams sehen kann. Komplementärfarben eignen sich ideal für dynamische, ermunternde Bilder. Sie werden allerdings so oft und so gern verwendet, dass man unabsichtlich eine bestehende Palette kopieren könnte. Achten Sie deshalb besonders aufmerksam darauf, etwas Eigenes zu kreieren.
  • Triadisch – Dies ist ein beliebtes Farbschema für eine Marke. Triadische Farben beziehen zu gleichen Teilen Farben aus drei verschiedenen Bereichen des Farbkreises. Damit strahlen sie eine vergleichbare Stabilität wie analoge Themen aus, bieten aber zeitgleich etwas vom markanten Charakter komplementärer Schemata. Die Herausforderung an diesem Farbschema liegt darin, alle drei Farben mit den Eigenschaften Ihrer Markenpersönlichkeit in Einklang zu bringen.

Die Zusammensetzung Ihrer Markenfarben wird immer und immer wieder in vielen verschiedenen Bereichen deines Unternehmens aufkommen.

Das Farbschema bestimmt das Aussehen Ihres Logos, Ihrer Website, der Einrichtung Ihres physischen Ladens, Ateliers oder Offices, Ihrer Werbemotive usw. und hat selbst Auswirkungen auf kleinere Dinge wie Ihren Social-Media-Account. In unserem Artikel zu den Grundlagen der Farbenlehre finden Sie noch mehr Wissenswertes zum Thema Farben und deren Anwendung.

von BATHI über 99designs von Vista

Wann sollten Sie nicht nach den Regeln spielen?

Wie bereits gesagt, es gibt keine konkreten Regeln für die Wahl Ihrer Markenfarben. Betrachten Sie diesen Artikel bitte vielmehr als Richtlinie – eine Ressource, die Ihnen hilft, eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Doch vor allem sollten Sie auch Ihr Bauchgefühl nicht vernachlässigen sowie, sofern möglich, das Feedback einer Fokusgruppe einholen. Die Hauptüberlegung bei Farben ist ihre emotionale Verbindung, und je nachdem, ob Sie eine Personal Brand oder eine Unternehmensmarke aufbauen, spielt das eine oder das andere eine größere Rolle.